Tipps für Küche, Bad, Waschmaschine & Co.
Hygiene und Desinfektion - wie viel braucht mein Privathaushalt?

Zwei Abklatschproben von Handabdrücken.

"Das Immunsystem braucht die Konfrontation mit Viren und Bakterien, um trainiert zu werden!" (Marina Waldmann)

Aus Angst vor Keimen und Krankheiten kaufen viele Menschen übermäßig Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Diese versprechen teilweise 99,9 % der Bakterien zu vernichten und somit einen keimfreien Haushalt. Tatsächlich wirken sie nur gegen ausgewählte Bakterienarten und nicht gegen Viren. Müssen Bakterien und Viren im Privathaushalt vollständig entfernt werden? Darüber referierte Marina Waldmann, Fachkrankenschwester für Hygiene und Infektionsprävention, beim Forum Triesdorf im Januar 2019.
Nachfolgend sind wichtige Ergebnisse für Sie zusammengefasst.
Infektionsrisiken
Sehr hohes Risiko: Hände
Hohes Risiko: Oberflächen, die mit Händen und Lebensmitteln in Kontakt kommen
Mittleres Risiko: Waschbecken, Toilette
Geringes Risiko: Möbel, Böden, Gardinen

Hygiene ist besonders wichtig bei:

  • Immungeschwächten Menschen
  • Befall von Mensch, Tier oder Lebensmitteln mit Läusen, Flöhen oder Motten

und in der:

  • Influenzazeit
  • Norovirenzeit

Keimbelastung in Küche und Bad im Vergleich

    
    
    
    
    
Küche Keime/cm² Bad Keime/cm²
Abfluss Spüle 10.000.000 Waschbecken 1.000
Spüllappen 100.000 Toilettensitz 100
Boden 10.000 Boden 100
Arbeitsplatte 1.000

Notwendige Reinigungsmittel im Privathaushalt

Verschiedene Gegenstände zum Reinigen im Privathaushalt.
Im Einzelhandel sind Reinigungsmitteln für diverse Anwendungsbereiche erhältlich. Sie versprechen Keimfreiheit und optimale Pflege für unterschiedliche Materialien. Mit den folgenden Reinigungsmitteln ist der durchschnittliche Privathaushalt für den alltäglichen Bedarf ausgestattet.
  • Allzweck- & Universalreiniger: für Oberflächen und Böden
  • Essigreiniger: gegen Kalk, für Spiegel und Fenster
  • Spülmittel
  • WC-Reiniger: gegen Ablagerungen in der Toilette
  • Scheuermilch: für stark haftende Flecken und Ablagerungen
  • Verschiedene
    • Spüllappen und Bürsten: Reinigung bei mindestens 65°C in der Spülmaschine
    • Schwämme: selbst bei hohen Temperaturen kein vollständiges Abtöten der Bakterien im Innern des Schwammes möglich. Daher möglichst vermeiden.

Richtlinien zur Hygiene im Privathaushalt nach Bereichen

Wasser vor schwarzem Hintergrund
Die Anforderungen an die Hygiene hauswirtschaftlicher Tätigkeiten im Privathaushalt erscheinen Verbrauchern oft hoch. Durch die regelmäßige Durchführung einiger Maßnahmen lässt sich das Infektionsrisiko jedoch gering halten.

Küche

Infektionswege von bakteriell verursachten Lebensmittelvergiftungen:

  • Primäre Kontamination: mit Krankheitserregern belastetes Nutztier (z.B. mit Salmonellen belastete Hühnereier)
  • Sekundäre Kontamination: Verunreinigung während der Herstellung, Lagerung oder Zubereitung von Lebensmitteln (zahlreiche Erreger möglich; z.B. durch Staphylokokken)

7 Regeln der Lebensmittelhygiene

  • Richtig Einkaufen: Lebensmittel sorgfältig auswählen, evtl. kühlen und schnell nach Hause bringen
  • Reinigen:
    • Oberflächen und Geräte regelmäßig reinigen. Bei Niedrigtemperatur-Eco-Programm bestehen optimale Wachstumsbedingungen für Mikroorganismen, daher Geschirr bei mindestens 65°C spülen.
    • Hände vor der Zubereitung waschen.
    • Vorratsschränke zweimal im Jahr reinigen und auf Verfall prüfen.
    • Kühlschrank alle 4 Wochen mit Essigreiniger reinigen.
    • Bei Schimmelbefall im Kühlschrank ganzen Kühlschrank reinigen.
    • Einkaufstaschen regelmäßig bei 60° waschen.
  • Trennen: Lebensmittel voneinander trennen um Keimübertragung und Kreuzkontamination zu vermeiden.
  • Erhitzen: Rohe oder nach dem Kochen aufbewahrte Lebensmittel können mit Verderbnis- oder Krankheitserregern belastet sein. Zur Abtötung ist das Erhitzen auf min. 70°C nötig.
  • Kühlen: Lebensmittel gekühlt lagern oder einfrieren. Kühlschranktemperatur 2-8°C, Gefrierschrank 1x pro Jahr abtauen.
  • (Heiß) Waschen, Schälen, Blanchieren um Keimbelastung auf Lebensmitteln zu reduzieren.
  • Schützen um Schädlinge zu vermeiden.
    • Lebensmittel in geschlossenen Boxen aufbewahren.
    • Lebensmittel nicht unbedeckt stehen lassen.

Bad

  • Feuchte Textilien luftig aufhängen.
  • In Haushalten mit mehreren Personen: jeder benutzt sein eigenes Handtuch!
  • Zahnbürsten alle 8 Wochen wechseln.
  • Toilette mit WC-Reiniger und Bürste putzen. Diese alle 6 Monate erneuern!
  • Flächen mit Allzweck- oder Essigreiniger reinigen.
  • Lüften! Lüften! Lüften!

Waschmaschine und Wäschepflege

  • Waschmaschine nach dem Waschgang zum Austrocknen geöffnet lassen.
  • Einspülkammer und Bullauge reinigen.
  • Regelmäßiges trocknen und Säubern der Gummidichtung.
  • Bettwäsche alle 2 Wochen wechseln.
  • Kopfkissen alle 6 Monate erneuern.
  • Kleidung mit antibakterieller Ausrüstung beeinflusst die Hautflora und die Umwelt.
  • Teppiche gründlich saugen.
  • Wischbare Flächen wischen.
  • Bei Fliesen die Fugen gründlich reinigen.
  • Die Wohnung nicht mit Straßenschuhen betreten (Schmutzschleuse).

Haustiere

  • Nach Kontakt Hände gewaschen.
  • Haben ihr eigenes Bett.
  • Halten Abstand zu Räumen der Speisenzubereitung.
  • Futter- und Trinknapf täglich reinigen.
  • Tetanusimpfung des Halters.
  • Empfehlungen zum Impfen/Entwurmen einhalten.
  • Bei Bisswunden: ab zum Arzt!

Sonstiges

  • Handy regelmäßig reinigen! Nach dem Klogang wäscht man immer die Hände. Wie oft reinigt man das Smartphone?
  • Wollmäuse sind kein hygienisches Problem, eher ein ästhetisches.